42 Grad Buchcover

Neuerscheinung: 42 Grad

Erzählungen, Lenos Verlag (Basel)

Herbst 2018

Es sind Geschichten vom Ausbrechen aus dem gewohnten Leben und von Ereignissen, die alles ins Wanken bringen: Viola Rohner beherrscht es, auf wenigen Seiten ganze Schicksale zu kondensieren. Wunderbar gelassen, bisweilen lakonisch und stets durchdrungen von einer sanften Melancholie erzählt sie von Frauen rund um den Globus, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Zwei Geschwister begeben sich auf die Spuren ihrer verstorbenen Mutter. Eine Krankenschwester übernimmt im australischen Outback eine schwere Aufgabe. Eine junge Frau flieht vor ihrem Stiefvater und versucht zum ersten Mal, einem Mann zu vertrauen. Eine verlobte Schweizerin lässt sich auf einer Bahnfahrt in Russland auf ein erotisches Abenteuer ein... (Aus: Verlagsvorschau, Lenos Verlag)


Stimmen

Manche Autoren brauchen viele Seiten, um eine Geschichte entstehen zu lassen, manche erzählen auf wenigen Seiten ungeheuer viel. Viola Rohner (*1962) gehört zu Letzteren. Jede Erzählung im Band ’42 Grad’ entwirft ein kleines Universum, in der drückenden Hitze Australiens, an der windigen irischen Küste oder in einem Schweizer Einfamilienhaus, das nach langen Jahren der Stille plötzlich wieder zum Treffpunkt einer – längst nicht mehr intakten – Familie wird. Nach der Lektüre dieser Erzählung hat man den Eindruck, einen ganzen Familienroman gelesen zu haben. Die Zürcher Autorin macht ihre Figuren in ihrem dritten Buch auf zurückhaltende, ja lakonische Weise sehr fassbar. Viola Rohners Geschichten sind nahe an der Alltagswelt, und doch sind in ihnen Reibungen und Irritationen spürbar. In ihrer poetischen Dichte weisen sie über das Erzählte hinaus.

-MARTINA LÄUBLI, Bücher am Sonntag, NZZ, 28.10.2018

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Freunde der oft unterschätzten Gattung der Kurzgeschichte werden sich für die hier gesammelten Erzählungen der Schweizer Autorin begeistern. Sie führt uns mitten hinein in das Leben ihrer Protagonisten, überwiegend handelt es sich dabei um Frauen. Der unmittelbare Einstieg beginnt in "Das Meerschweinchen" mit dem Tod und der fortschreitenden Verwesung desselben. Irma, ihr Mann hat sie wegen einer 30 Jahre Jüngeren verlassen, verharrt in ihrem Haus in einem Zustand der Reglosigkeit. Auch zu ihren erwachsenen Kindern bewahrt sie eine gewisse Distanz. Durch einen Unglücksfall sehen wir sie am Ende glücklich im Kreis einer (neuen) Großfamilie. Eine gestörte Vater-Tochter- Beziehung finden wir in "Das Treffen vor. Die namenlose Tochter hat zeitlebens unter dem strengen Vater gelitten, nichts konnte sie ihm recht machen. Der Mann, viele Jahre älter als die Mutter, wird krank und sie pflegt ihn. Auf dem Sterbebett spricht er schließlich von der Vergangenheit, er offenbart ein Doppelleben und zum ersten Mal kann die Tochter ihn verstehen. Empfohlen!

-ELFRIEDE WEBER, EKZ, Bibliotheksservice


Rohners Sprache ist unaufgeregt, nahezu sachlich. Klar und scharf skizziert sie ihre Figuren und deren irgendwie verkacktes Leben, ihre Einsamkeit, Traurigkeit oder Abgestumpftheit. «Er schenkte ihr nicht ein. Vermutlich wollte er sie strafen für ihre Unentschlossenheit, für seinen vergeblichen Gang, den sie verursacht hatte.» Ob im Zug von Moskau nach St. Petersburg, im australischen Outback oder in einem Schweizer Vorort, jede Erzählung birgt ein Schicksal, dem sich die Figuren und auch der Leser nicht entziehen können. (…) Rohners grosseStärke: Nichts ist vorhersehbar, man bleibt bei jeder Geschichte bis zum bitteren Ende gefesselt, auch wenn oder gerade weil nichts im eitel Sonnenschein endet. Wie im richtigen Leben ja auch.

– SUSANN KLOSSEK, Literarischer Monat, 30. Nov. 2018


In neun Erzählungen reist Viola Rohner um die Welt. Eine Lesung in Zürich in «Eine Autorin und ein Autor», australische Wüste in «42 Grad», Milieu von Expats in Amerika in «Happy Halloween» und zwei Frauen ebendort in «Nach Moskau». Es könnte luxuriös klingen, was da angeschlagen wird. Aber der Erzählstil der 56-jährigen Autorin, die bisher Romane und Erzählbände veröffentlicht hat, ist so konzentriert, so ohne jeden Schnörkel, so fokussiert auf ihre Protagonisten und das Geschehen, in das sie sie wirft, dass sich jeder Gedanke von Luxus verbietet. Auch der Umfang der Geschichten ist karg, oft so überraschend kurz, dass man sich beim Lesen des letzten Wortes verwundert zurücklehnt und sich fragt, ob man etwas verpasst hätte. Verpasst wohl nicht, aber zu schnell gelesen. Rohner verlangt den aufmerksamen, genauen Leser, der Spass hat am beinahe detektivischen Erspüren der Details, die es in sich haben. Dabei variiert Rohner das Motiv des Spiegels und des Sich-Spiegelns konsequent. In der Titelgeschichte «42 Grad» etwa fährt ein Mann immer wieder an einer Frau vorbei, die ein Loch gräbt. Beide begleiten einen Sterbenden. Sie ihren Vater, er seinen Terrier. Beide befolgen nicht die Ratschläge, die andere ihnen geben, beide setzen die Pflege eines Kranken vor Bequemlichkeit. (…) Viola Rohner verweigert sich konsequent dem simplen Schwarz-Weiss und gibt nie einfache Antworten, aber sie stellt Fragen, die uns umtreiben.

– VALERIE HEINTGES, St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Thurgauer Zeitung, Der Reintaler, Toggenburger Tagblatt, Wiler Zeitung, 21. Dezember 2018


In ihren neuen Erzählungen, die in „42 Grad“ versammelt sind, lässt Viola Rohner Figuren in der Krise auftreten. Sie befinden sich, auf ganz unterschiedliche Weise, in einer Phase des Übergangs. Eine sanfte Melancholie liegt über den Szenen, den Begegnungen und Landschaften, welche die Autorin beschreibt – vielleicht, vermutet man, weil für die Figuren das ganze Leben etwas Transitorisches hat, weil sie fremd sind im in ihrer Welt. Dennoch arbeiten sie mit Verve daran Behausungen zu bauen. Die Sprache Viola Rohners ist dabei ganz frei von Sentimentalität; sie ist lakonisch und hat etwas Zugriffiges, manchmal auch widerständig Anarchisches an sich. Die Autorin setzt ihre Worte mit grosser Präzision und schafft Bilder, die vor sinnlicher Lebendigkeit vibrieren und sich nicht so leicht auflösen lassen. Ganz in der Tradition der Short Story sind die Erzählerstimmen zurückhaltend, wenn es um Psychologie, um Erklärungen aller Art geht; gesagt wird nur das Nötigste, die wichtigsten Fragen bleiben offen. Die Protanogonistinnen und Protagonisten reden nicht viel, dafür haben sie ein Sensorium für Details. Immer wieder verdichtet sich der Schmerz einer Figur in einem Bild – einem verwesenden Meerschweinchen, der zentrifugalen Menschenmenge, die bei einer Ampel auf grünes Licht wartet, dem Blick in ein stumm erleuchtetes Wohnzimmer. Beim Lesen ist man schon beim ersten Satz mitten drin in der Atmosphäre einer Geschichte, und gerade weil die Autorin ihren Figuren ihr Geheimnis lässt, lassen sie einen nicht mehr los. Der Blick Viola Rohners auf die Figuren und ihre Interaktionen, die Art, wie sie sich in einem Raum bewegen, wie sie ihre Umgebung anschauen, Dinge in die Hand nehmen, zeigt die Menschen in ihrer Einsamkeit und gleichzeitig als Teil eines Geflechts aus Beziehungen und Geschichten, aus denen es kein Entkommen gibt.

– CHRISTINE LöTSCHER, Literaturkritikerin, Juryvorsitzende Deutscher Buchpreis


Mit geradezu heimtückischer Lakonie, mit aufreizend sachlichem Ton und mit wenigen, aber konturscharfen Strichen lässt die Autorin ihre Figuren in kurzen Erzählungen hervortreten. Bald schockartig, bald mit sanfter Gewalt wird das Selbst- und Weltbild der Figuren um kleine Nuancen nur verschoben, aber stets ausreichend, um sie nachhaltig zu verstören. Einmal ist es ein totes Meerschweinchen, einmal die Begegnung mit einem Schriftsteller oder ein anderes Mal das unverhoffte Treffen mit dem Sohn einer Halbschwester, was die Frauen ins Wanken und in der Folge zu neuem oder gefestigten Selbstverständnis führt.

– ROMAN BUCHELI, Redaktor Feuilleton NZZ, Aus: Laudatio Werkbeitrag Kanton Zürich 2014


Alles Gute und auf Wiedersehen Buchcover

Alles Gute und auf Wiedersehen

Roman, Rotpunktverlag, Zürich (August 2014)

Als Mara im Sommer 1987 der neuen WG-Mitbewohnerin hilft, ihren schweren roten Koffer in die Wohnung zu schleppen, gibt sie sich betont kühl und abweisend. So sind die Berliner Umgangsformen. Zu Maras Erstaunen ist Loras roter Koffer voller Bücher, und über diese Bücher finden die beiden zueinander. Sie entdecken ihre Liebe und ihren gemeinsamen Traum, Künstlerin zu werden. Während Mara an ihrem Schreiben zweifelt, nutzt Lora jede Möglichkeit, als Theaterregisseurin Erfahrungen zu sammeln, und entfernt sich immer weiter von Mara - bis hinter die Mauer. Und eines Nachts ist sie ganz verschwunden, mitsamt dem roten Koffer. Nur die Bücher lässt sie zurück. Jahre später hat Mara ihr Leben neu organisiert, sie lebt in einer kleinen Wohnung am Arkonaplatz, ist liiert mit Leif. Dessen Sohn Morten liebt sie, aber es fehlt ein Stück zum Familienglück. Mara fehlt ein Stück ihrer Vergangenheit. Sie macht sich auf die Suche, verfolgt Loras Spur mit dem Auto, mit Stift und Papier. Dabei ist sie fest entschlossen, nicht nur Lora, sondern auch sich selbst zu finden.


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Stimmen

Die Autorin spinnt den Erzählfaden parallel zum Mauerfall in Berlin – zu einem Neubeginn in doppelter Hinsicht. Geschickt verknüpft sie dabei Politisches und Historisches mit privaten Erlebnissen der Protagonistin.

-SIBILLA BONDOLFI, Kulturtipp, 12/15

Das Lokalkolorit stimmt ebenso detailgenau wie die Psychologie der Figuren. Deren intensive Beziehung wird angenehm kontrastiert durch eine bewusst schlichte Sprache. Zugleich sorgt die Suche nach der rätselhaft verschwundenen Freundin für eine innere Spannung. Überzeugend.

-MARIE-LOUISE ZIMMERMANN, BERNER ZEITUNG, 11. September 2014

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Viola Rohner schafft eine Kunst, die man nur selten liest. Sie schafft es, so zu erzählen, dass man ganz vergisst, dass man liest und ganz in diesen Bildern lebt. So schön wird das erzählt.
-TANJA KUMMER, DRS3, Buchtipp 4.9.2014 / Buch-Tipp auf SFR

Sentimentalitäten bleiben in dieser Geschichte - und zumal in dieser Stadt, in der das «Herz mit Schnauze» schlägt - draussen vor der Tür. Dafür glaubt man das Fluidum Berlins zu wittern und all die Existenzen mit Luftwurzeln, getrieben von Süchten und Sehnsüchten, gezeichnet von Aus- und Abbrüchen, geradezu greifen zu können.
-BEATRICE EICHMANN-LEUTENEGGER, NZZ, 2.9.2014

Ein Geschenk für alle, die empfänglich sind für ein psychologisch gut durchkomponiertes Stück Schweizer Literatur.

-CLAUDIA MEYER-HEINIMAN, bücherparadies. magazin, Herbst 2014

Im Fortlauf entwickeln die Andeutungen und Irritationen einen starken Sog, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil es gleich drei Zeitebenen gibt, in denen es Rätsel zu lösen gibt. Wer sind Leif, Morten, Leo, Alex, Corsin, fragt man sich etwa auf den ersten paar Seiten? Es gehört zu den Stärken dieses Buches, dass die Autorin Leser und Leserin nicht bei der Hand nimmt, sondern auf deren Fähigkeiten vertraut. Allzu oft wird einem in Romanen zu viel zu früh und zu ausführlich erklärt. Solche Texte gehen einem auf die Nerven, «Alles Gute und auf Wiedersehen» dagegen greift einem ans Herz.

-IRENE WIDMER, Aargauer Zeitung, 21. August 2014; Zentralschweiz am Sonntag, 17. August; St. Galler Tagblatt, 14. August 2014

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Unkraut Buchcover

Unkraut

Erzählung, Rotpunktverlag Zürich, 2002

Im Hardcover und Hörbuch erhältlich
Hörbuch auf www.Amazon.de (Verlag: SAGA Egmont)

In einem Dorf in den siebziger Jahren an der Goldseite des Sees scheint die Idylle vollkommen. Die Hausfrauen fahren spätmorgens singend zum Friseur, vor dem Pflegeheim spazieren friedliche Alte, unten am See und oben am Berg wohnt zufrieden die Macht, Enten paddeln lustig im Sonnenschein. Eine junge Lehrerin unterrichtet wohl behütete Jugendliche, die in der Freizeit mit unterschiedlichem Geschick erste Küsse austauschen. Bibi und ihre Mitschülerinnen beklagen sich über die öde Lektüre im Deutschunterricht, woraufhin die Lehrerin ein Buch mit ihnen liest, in dem von "Liebemachen" und vom "Vögeln" die Rede ist, von "Kommunen" und von jungen Männern, die den Militärdienst verweigern und schon mit neunzehn von zuhause ausziehen. Bald wissen im Dorf all, dass den Jugendlichen in der Schule staatszersetzende Lektüre vorgesetzt wird. Es kann nicht angehen, dass eine Kommunsitin, eine Marionette Moskaus, die Dorfjugend vom rechten Weg abbringt.


Stimmen

Viola Rohner erzählt eine Begebenheit im Zeichen des Kalten Krieges und der Jugendbewegungen mit ganz eigenen Klangfarben: bisweilen wie ein Märchen, ironisch getönt, manchmal wie eine Dorfgeschichte aus dem Kalender. (...) Auffallend ist der hohe Grand an Anschaulichkeit: eine unverstellte Bildlichkeit, die nur auf den ersten Blick von so genannter Naivität bestimmt wird, tatsächlich aber erfahrenes Wissen verrät.

-BEATRICE EICHMANN-LEUTENEGGER, Der Bund, 22. Mai 2002

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Eine kleine Geschichte des Kalten Krieges in der Schweiz: Die Zürcher Autorin Viola Rohner überzeugt mit ihrem Erstling 'Unkraut'.
-CHRISTINE LÖTSCHER, Tages Anzeiger, 8.4. 2002.

 

Eine wundersam leichte, geradezu exemplarische Erzählung über die Befindlichkeit der Schweiz.
-WOLFGANG BORTLIK, WoZ, 28. 12. 2002

 

Unkraut liest sich geradezu parabelhaft, ironisch gebrochen und unsentimental erzählt, als Vorgeschichte von 'Züri brännt'.

-GIERI CAVELTY, NZZ, 27. Juni 2002

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